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Lausitz

Die Lausitz bedeutet "feuchte Wiesen". Die Region umfasst den Osten des Bundeslandes Sachsen (Ostsachsen) und den Süden Brandenburgs, sowie die polnischen Bezirke Niederschlesien und Lebus. Sie gliedert sich von Nord nach Süd in Niederlausitz, Oberlausitz und Lausitzer Gebirge. Heute bildet der Spreewald den nördlichsten Teil der Niederlausitz; ursprünglich reichte sie bis zum Müggelsee. Die Lausitzer Neiße bildet seit 1945 die Grenze zwischen dem deutschen und dem polnischen Teil der Lausitz. Der Plural von Lausitz heißt Lausitzen.

Bevölkerung, Brauchtum und Sprache

In der Zeit vor der Völkerwanderung wanderten germanische Hermunduren in die Lausitz ein, die wiederum die dort ansässigen Kelten assimilierten. Sie wanderten zur Zeit der Völkerwanderung zum großen Teil nach Thüringen ab. Der Rest der germanischen Bevölkerung vermischte sich mit den neu hinzukommenden Slawen (Sorben).

 

Nach der ersten deutschen Eroberung im 10. Jahrhundert blieb die slawische Bevölkerung in der Lausitz wohnen, nach der zweiten, endgültigen Angliederung an das ostfränkische Reich 1031 (Vertrag von Bautzen mit Polen) kam es dann langsam zur Ansiedlung deutscher Siedler, vor allem dort, wo Platz war, also im Lausitzer Bergland und in freien Gefildestellen. Getragen von der slawischen Bevölkerung erlebte der Landesausbau eine Konjunktur, welches zu einem starken Anwachsen der selbigen führte. Es kam zu häufiger Vermischung der Bevölkerung und dementsprechend ist das heutige Siedlungsbild entstanden.

 

Die Gebirgsgebiete sind fast durchgängig deutsch besiedelt. Die deutsche Bevölkerung ist in der Oberlausitz überwiegend thüringischer, meißnischer und fränkischer, in der Niederlausitz überwiegend niedersächsischer Herkunft. Das Gefilde ist ein gemischnationaler Raum. Vor allem auf dem Lande außerhalb von Bautzen und Cottbus stellten die Sorben die Mehrheit der Bevölkerung und somit einen wesentlichen Bestandteil der Lausitzer Tradition und Identität, Im Zuge der Industralisierung gerieten sie in die Minderheit. Sie haben vor allem für das Lausitzer Brauchtum eine Bedeutung und leben vorwiegend im Raum nordwestlich von Bautzen (Panschwitz-Kuckau) und in Teilen des Spreewaldes.

 

Kriegsbedingt musste die Lausitz einen großen Bevölkerungsandrang vor allem aus Schlesien verkraften, welcher in etwa einen Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte. Durch die verstärkte Industrialisierung der Nieder- und Oberlausitz in den Jahren von 1955 bis 1989 verzeichneten die Räume Cottbus, Hoyerswerda, Weißwasser, Guben, Eisenhüttenstadt und Senftenberg ein rasantes Bevölkerungswachstum. Insbesondere Fachkräfte aus Mecklenburg, dem Erzgebirge und Thüringen wurden sesshaft. Die Umstrukturierung der Industrie führt gegenwärtig in der gesamten Lausitz (Ausnahme Landkreis Dahme-Spreewald) zu einer Abwanderung vieler Einwohner.

 

Die Sorbische Sprache ist auch heute noch als zweite Sprache in diesen Regionen präsent (zweisprachige Straßen- und Ortsschilder, sorbische Theater, sorbische Schulen). Sie wird unterschieden in Niedersorbisch (polabisch) und Obersorbisch. Die Lausitzischen Dialekte kommen in mehreren Varianten vor. Der Gebrauch der Sprache ist in den letzten 50 Jahren allerdings sehr stark zurückgegangen. Einerseits liegt das an vielen deutschsprachigen Zuwanderern zwischen 1945 und 1989, andererseits ist in der Lausitz seit 1990 ein starker Wegzug vor allem der jungen ansässigen Bevölkerung zu verzeichnen, die in der neuen Heimat die sorbische Sprache nicht benutzt.

Geschichte

Die Historien von Niederlausitz und Oberlausitz weisen viele Parallelen auf. Aufgrund der Tatsache, dass beide Teilregionen aber eigene Teilstaaten waren und teilweise erheblich unterschiedliche Entwicklungen nahmen, muss bei tiefergehendenden Untersuchungen eine getrennte Betrachtung erfolgen.

 

Markgraf Gero eroberte die ostelbischen slawischen Gebiete ab 928. Nach dem Tod von Gero wird seine Mark aufgeteilt in Mark Meißen, Mark Merseburg, Mark Zeitz (Naumburg), Ostmark (Niederlausitz). 1002 erobert der polnische Herzog Boleslaw Chroby die Lausitz. 1031 erobert Kaiser Konrad II. die Mark (Nieder-)Lausitz endgültig für das deutsche Reich zurück.

 

Die Milzener (Oberlausitz) wurden 932 unterworfen und erkennen 985 die deutsche Herrschaft an.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen für einen Lausitzer Freistaat; nach dem Zweiten Weltkrieg forderten der in Prag ansässige Sorbische Nationalausschuss den Anschluss der Oberlausitz an die Tschechoslowakei. Bei den Verhandlungen zum Einheitsvertrag wurde von Vertretern der Domowina (Dachverband der Sorben der Ober- und Niederlausitz) gefordert, die gesamte Lausitz Sachsen zuzusprechen. Nach Volksbefragungen in den Kreisen Senftenberg, Hoyerswerda und Bad Liebenwerda, wurden, teils entgegen den Ergebnissen, nur der Kreis Hoyerswerda und der Kreis Weißwasser sächsisch. Regionalistische Bestrebungen im Zuge der Länderneugliederung von 1990 (Initiative "Für eine ungeteilte Lausitz") fanden kaum Widerhall.

 

Wenigen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland dürfte heute noch bekannt sein, dass Spremberg (Grodk) vor dem Zweiten Weltkrieg der geographische Mittelpunkt Deutschlands war. Ein Gedenkstein im Ort gab Auskunft darüber.

 

Die Lausitz war das Energiezentrum der DDR und gewinnt gegenwärtig die frühere, überregionale Bedeutung als Energieregion zurück. Weite Gebiete werden zur Gewinnung von Braunkohle im Tagebau in Anspruch genommen. Gegenwärtig beträgt die Jahresfördermenge über 70 Mio Tonnen mit steigender Tendenz (Lausitzer Braunkohlenvorrat über 2 Milliarden Tonnen) In der Region sind vier Tagebaue aktiv: Cottbus-Nord, Jänschwalde, Welzow-Süd, Nochten. Im Tagebau Reichwalde laufen die technischen Vorbereitungen zu dessen Wiederinbetriebnahme im Jahr 2009. Weitere Kraftwerks-Neubauten befinden sich in der Umsetzung: Boxberg II (2007) und Schwarze Pumpe II (2008). Die Tagebaurestlöcher werden in der Regel mit Wasser aufgefüllt und eine Seenplatte, das Lausitzer Seenland, entsteht.