Kontakt: 03581/738202

Geschichte von Görlitz

Görlitz liegt an der Hohen Straße oder Via Regia, einem alten Handels- und Jakobsweg. Görlitz wurde 1071 erstmals als Ort erwähnt. König Johann von Luxemburg und Kaiser Karl IV. statteten die Stadt mit zahlreichen Rechten aus (Münzrecht, Straßenrecht, Brau-, Salzgerechtigkeit etc.). Görlitz gehörte dem Markgraftum Oberlausitz und darin dem Oberlausitzer Sechsstädtebund an. Ab 1520 wurde schrittweise die Reformation eingeführt. 1547 war die Stadt vom Oberlausitzer Pönfall betroffen. Die Stadt litt im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg. 1635 kam die Stadt zu Sachsen.

 

Im 18. Jahrhundert wurde hier die „Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften“ gegründet (später die größte bürgerliche Gesellschaft ihrer Art in Deutschland); ihre erlesenen Bestände sind erhalten und nach 1945 in die dafür neu gegründete „Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften“ übertragen worden. Am 1. Juni 1816 kam Görlitz zur preußischen Provinz Schlesien. Hier wurde sie Sitz des gleichnamigen Kreises innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz. Am 31. Dezember 1867 wurde die Eisenbahn nach Berlin (zum dortigen Görlitzer Bahnhof) eröffnet. Am 1. Juli 1873 wurde Görlitz ein eigener Stadtkreis, blieb aber weiterhin Sitz des Landkreises Görlitz.

 

Im Jahre 1944 wurde in Görlitz ein Nebenlager des KZ Groß-Rosen durch die Waggon- und Maschinenbau AG errichtet. Im Februar 1945 evakuierte man die ca. 1.400 Häftlinge für drei Wochen ins 35 km entfernte Rennersdorf, von wo aus sie im März des selben Jahres wieder nach Görlitz abkommandiert wurden, um Panzersperren zu errichten und Schützengräben auszuheben. Nachweislich kamen im Nebenlager Görlitz über 400 jüdische Häftlinge aus Ungarn, Polen, Tschechien und Russland ums Leben.

 

Im Zuge der europäischen Neuordnung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz geteilt (Oder-Neiße-Grenze). Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt ist seitdem polnisches Staatsgebiet und heißt Zgorzelec. Die bei Deutschland verbliebene Stadt wurde dem Land Sachsen zugeordnet, das jedoch 1952 aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden. Nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten 1990 wurde der Freistaat Sachsen wieder errichtet und Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der Landkreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz selbst wurde zunächst Kreissitz, nach einer Landesverfassungsklage, die sich gegen den gleichzeitigen Status als kreisfreie und Kreisstadt richtete, verlor sie den Kreissitz an Niesky.

 

Nach der Wiedervereinigung stürzten sich zahlreiche Investoren auf die schönste Stadt Deutschlands, die im zweiten Weltkrieg von Zerstörungen verschont geblieben war. Nirgendwo anders in Deutschland gibt es eine solche Dichte von gut erhaltenen Baudenkmälern verschiedenster Epochen. Der Boom nach der Wiedervereinigung hatte Züge einer ungehemmten Goldgräberstimmung, von der das Stadtbild von Görlitz jedoch nur profitieren konnte. Allerdings machte sich ein starker Bevölkerungsschwund alsbald aufgrund eines Abbaus der Industrie bemerkbar. Heute stehen fast 35 Prozent der Gebäude in der Innenstadt leer. Im Zuge des Stadtumbaues wird versucht hier gegenzusteuern und die Innenstadtbereiche weiter zu beleben.

Kultur

Görlitz besitzt eine der atemberaubensten Altstädte Europas. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Denkmalpflege, bezeichnet Görlitz als "schönste Stadt Deutschlands".

 

Görlitz und Zgorzelec, die polnische Schwesterstadt, verstehen sich als eine Europastadt. Für das Jahr 2010 bewarben sie sich gemeinsam als Europäische Kulturhauptstadt. Dazu war eines der Schwerpunktprojekte in der Bewerbungsschrift die Entwicklung eines neuen Zentrums, dem sogenannten „Brückenpark“. Entlang der Neiße werden beiderseits Objekte wie z. B. die Stadthalle, die Synagoge, die Hochschule und auf dem östlichen Neißeufer die Oberlausitzer Ruhmeshalle architektonisch zusammen mit weiteren Ideen zu einem Gesamtentwurf entwickelt. In mehreren Sommerprojekten haben sich bereits Studierende aus beiden Ländern Gedanken dazu gemacht. Es soll eine Art „Laboratorium“ entstehen, in dem europäisches Denken und Handeln erprobt werden kann.

 

Der Studiengang Kultur und Management an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH)] sowie viele engagierte Bürger und Unternehmen der Region unterstützten die verbindende Idee der Kulturhauptstadt 2010 Bewerbung von Görlitz. Ein sichtbares Zeichen dieser Unterstützung sind die fünf Flaggen, die auf der Landeskrone wehen.